Wahlprogramm zur Hochschulwahl 2019

Unser Wahlprogramm zur Hochschulwahl 2019 an der FAU Erlangen-Nürnberg

Unser Wahlprogramm: Ausführliche Version

Präambel​

Wilhelm von Humboldt entwickelte sein Bildungsideal um zwei zentrale Begriffe der Aufklärung: das aufgeklärte Individuum und das Weltbürgertum. Gleichzeitig forderte von Humboldt die Freiheit von Forschung und Lehre. Denn sowohl das Forschen als auch das Lehren bedingen sich gegenseitig und profitieren voneinander. Deshalb muss die Universität ein unabhängiger Ort des Austauschs sein. An diesem sollen alle teilnehmen, die am wissenschaftlichen Prozess beteiligt sind. Doch sind diese Ideale heute noch verwirklicht? Werden die Studierenden zu Selbstständigkeit und Vernunftgebrauch gebildet, wenn sie sich in einem stark reglementierten Studienaufbau bewegen und zurechtfinden müssen? Wie ist es um die Freiheit von Forschung und Lehre bestellt? Dürfen Studierende selbst forschen und werden sie dabei unterstützt? Die Liberale Hochschulgruppe (LHG) Erlangen-Nürnberg bekennt sich zum Humboldt’schen Bildungsideal und setzt sich für dessen Verwirklichung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein. Es ist die Basis für dieses Wahlprogramm. Gleichzeitig fußt es auf der Freiheit. Wir als Liberale Hochschulgruppe setzen uns dafür ein, dass jeder Studierende sein Studium selbstbestimmt und ohne Einschränkungen gestalten kann. Wir als Liberale Hochschulgruppe wollen jedem Studierenden ermöglichen, eigenverantwortlich den Fortgang seines Studiums zu bestimmen. Wir als Liberale Hochschulgruppe wollen die Freiheit an unserer Uni fördern.

1. Weil Du schnell von A nach B kommen sollst – Für eine bessere verkehrstechnische Vernetzung der Standorte.

Wir als LHG setzt sich für eine studentische Abstimmung über das Semesterticket ein. Bis heute hatten die Studierenden der Nürnberger Hochschulen keine Möglichkeit, über die Einführung des Semestertickets abzustimmen. Die semesterliche Preissteigerung sehen wir als große finanzielle Belastung für alles Studierende, die auch diejenigen trifft, die nur die sogenannte Basiskarte besitzen.

Darüber hinaus setzen wir uns als LHG Erlangen-Nürnberg für eine bessere verkehrstechnische Vernetzung der Standorte ein. Die FAU hat als eine Hochschule mit verschiedenen Standorten (Erlanger Innenstadt, Südgelände und Nürnberg) im Gegensatz zu einer Campus-Universität den Nachteil, dass die verschiedenen Gebäude und Komplexe weit auseinander liegen, was zu Problemen beim Besuch aufeinanderfolgender Veranstaltungen an verschiedenen Orten führen kann. Wir als LHG Erlangen-Nürnberg fordern deswegen zu prüfen, ob eine Ringbuslinie hier vor allem in Erlangen Abhilfe schaffen könnte. Ein entsprechendes Konzept wurde bereits vorgelegt.

Außerdem sehen wir als LHG Erlangen-Nürnberg einen enormen Nachholbedarf bei dem Bau weiterer Parkmöglichkeiten für Studierende und Mitarbeiter:innen der FAU. Vor allem zu Semesterbeginn ist die Parksituation so gravierend, dass zum Teil Feuerwehrzufahrten und Fluchtwege zugeparkt werden. Damit die Sicherheit in dieser Weise nicht unnötig gefährdet wird, fordern wir die Universität auf, zusammen mit den Kommunen sowie dem Freistaat eine repräsentative Hochrechnung zu erstellen, wie viele Parkplätze in Zukunft benötigt werden. Mit der Ringbuslinie ist es zudem möglich, auch Park-and-Ride-Parkplätze am Stadtrand schnell und unkompliziert mit den Standorten zu verbinden. Ebenfalls sind die Möglichkeiten eines universitätsinternen oder -nahen Bikesharing-Services zu prüfen und mehr Fahrradständer an Uni-Gebäuden ein, die die zum Teil chaotische Fahrradsituation in der Erlanger Innenstadt verbessern.

2. Weil Du satt werden darfst – Für eine größere Essensvielfalt.

Wir als LHG fordern, die Möglichkeit zu prüfen, dass in periodischen Abständen außeruniversitäre Dienstleister neben dem Studentenwerk für die Verköstigung auf das Unigelände dürfen. Für diesen Zweck würde sich eine Stellplatzvermietung der Uni anbieten. Konkrete Beispiele hierfür wären z.B. Foodtrucks oder andere Essensstände, die den Studierenden neben dem Studentenwerk weitere diverse Mahlzeiten anbieten.

Ebenfalls treten wir uns als LHG dafür ein, das WLAN in den Mensen der Uni auszubauen und mehr Wasserspender in universitären Gebäuden aufzustellen. Zusätzlich setzen wir uns gegen die Einführung eines sogenannten Veggie-Days in den Mensen ein.

3. Weil es Dein Studium ist – Für mehr Freiheit und Flexibilisierung.

Wir als LHG Erlangen-Nürnberg setzen uns dafür ein, dass die sogenannte Regelstudienzeit abgeschafft wird. Mit der Höchststudienzeit ist bereits ein brauchbarer Rahmen zur zeitlichen Orientierung für das Studium gegeben. So wird der Tatsache, dass die wenigsten Studierenden ihr Studium in der Regelzeit abschließen – sei es aufgrund von Auslandssemestern, ungeplanten Ereignissen (Krankheiten oder Unfällen) oder Schwangerschaften – Rechnung getragen und eine freiere Studiengestaltung ermöglicht. Positiver Nebeneffekt: An Regelstudienzeit gebundene Stipendien und BAföG können dadurch so lange bezogen werden, wie sie wirklich benötigt werden.

Darüber hinaus lehnen wir eine generelle Anwesenheitspflicht ab. Stattdessen sind die Lerninhalte (vor allem Aufzeichnungen von Vorlesungen) verstärkt zu digitalisieren. Studierende tragen die Verantwortung für ein gelingendes Studium mit. Genauso wie die die Persönlichkeiten der Studierenden vielfältig sind, sind auch die Wege für ein gelingendes Studium.

4. Weil es auch Deine Uni ist – Für mehr Freiraum für Studierende.

Wir als LHG Erlangen-Nürnberg fordern für die mittlerweile ca. 40.000 Studierenden der FAU mehr Rückzugsräume für verschiedene Bedürfnisse (z.B. Ruhe- und Computerräume sowie Einzel-, Gruppenlernräume) zu Verfügung zu stellen, damit die Studenten ihr Potential vollständig entfalten können. Ebenso sind marode Gebäude sofort zu sanieren bzw. mit zukunftsorientierten Neubauten zu ersetzen. Hierbei schließen wir auch Sponsoring nicht aus, um Räume oder auch Hörsäle zu verschönern und gemütlicher zu gestalten.

Geistesblitze kommen eben nicht immer um drei Uhr nachmittags, sondern auch mal mitternachts. Folglich setzen wir uns als LHG Erlangen-Nürnberg für möglichst lange, am besten ganztägige  Öffnungszeiten der Hauptbibliothek ein.

5. Weil Uni Vielfalt ist – Für mehr Umweltschutz an der Uni.

Wir als LHG fordern die FAU dazu auf, bei der Neugestaltung ihrer öffentlichen Grünflächen, Ausgleichsflächen und Beeten aller Art bei der Auswahl von Gewächsen, Pflanzen, Stauden, etc. auf die besondere Insektenfreundlichkeit dieser zu achten. In den letzten Jahrzehnten haben wir – selbst in gesonderten Schutzgebieten – einen dramatischen Rückgang an Insekten erleben müssen. Um diesen Rückgang zu stoppen, wird nach aktuellem Stand der Forschung empfohlen, vor allem kleine Inseln in der allgemeinen Landschaft zu schaffen, in denen Insekten aller Art bei längeren Reisen Schutz finden können.

6. Weil Deine Ideen die Zukunft sind – Für ein Gründerfreisemester.

„Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, wusste bereits Victor Hugo. Gerade deswegen möchten wir als LHG Erlangen-Nürnberg jungen Gründern ermöglichen, sich mit einem eigenen Unternehmen bereits parallel zum Studium selbstständig machen zu können.

Dafür sollen die Gründe zur Beantragung eines Urlaubssemesters um den der Gründung erweitert werden. Die bestehenden Regelungen für ein Urlaubssemester werden hiervon nicht berührt. Als Modell soll das in Nordrhein-Westfalen bereits bestehende Gründerfreisemester dienen.

7. Weil weniger manchmal mehr ist – Für Entbürokratisierung.

Wir als LHG treten für eine Entbürokratisierung der universitären Verwaltungsstrukturen ein. Dazu gehört, dass die Vielzahl an Portalen (meinCampus, StudOn, UnivIS, oktis etc.) in eines überführt werden sollen, wo alle bisher verstreuten Funktion ausgeführt werden können, um sich einfach und unkompliziert zu Veranstaltungen und Prüfungen an- und abzumelden, seinen Notenspiegel einzusehen etc. Bei der Zusammenlegung der Portale, die derzeit bereits stattfindet, fordern wir als LHG, auf die Benutzer- und Studierendenfreundlichkeit des zukünftigen Online-Dienstes zu achten.

Auch soll die zentrale Universitätsverwaltung umstrukturiert werden, indem Halbtagsstellen in Vollzeitstellen umgewandelt werden, um auch in der persönlichen Kommunikation für Studierende ein möglichst breites Angebot zu bieten.

8. Weil Du Dich wohlfühlen darfst – Für eine Universität, in der wir gut und gerne studieren.

Für eine freie Entfaltung der Persönlichkeit der Menschen bedarf es einer offenen und freien Umgebung. Auch heute erleben noch Menschen, insbesondere sexuelle und religiöse Minderheiten, Diskriminierung. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Studium wie allgemein von Familie und akademischer Karriere ist noch lange nicht gegeben. So ist zum Beispiel, um eine ausreichend gute Kinderbetreuung in Uninähe zu gewährleisten, eine Kooperation zwischen FAU und der Kommune unerlässlich. Die Beratungsangebote bezüglich Studieren mit Kind soll sich nicht nur auf Studentinnen beschränken, sondern alle Studierende ansprechen. Insgesamt wünschen wir, dass die Uni familienfreundlicher sowohl für Mütter wie für Väter wird.

Außerdem möchten wir als LHG die Inklusion vorantreiben und die FAU für alle Menschen zugänglich machen. Nur so kann Wissen in Bewegung geraten. Dies schließt auch die Öffentlichkeitsarbeit mit ein, auf die Darstellung der gesamten gesellschaftlichen Breite zu achten und so auch Menschen mit Behinderung, mit Migrationshintergrund oder LGBTIQ* anzusprechen.

9. Weil Du gehört werden musst – Für die Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung der Studierenden.

Gerade bei der Debatte um die „Söder-Uni“ oder die Bewerbung um den Titel einer Exzellenz-Universität war deutlich zu sehen, dass die Interessen der Studierenden nicht ansatzweise berücksichtigt wurden. Wir als LHG halten dies für inakzeptabel. Deswegen ist es nötig, dass eine Stelle für die Öffentlichkeitsarbeit der Studierendenvertretung zur Verfügung gestellt wird. Außerdem ist es nötig, dass das Mitspracherecht der Studierenden innerhalb der Universität und im Rahmen des Hochschulgesetztes gestärkt wird, damit die Studierenden ihrem Auftrag der „Mitwirkung an der Verwaltung der Hochschule“ (Art. 18 (2), BayHSchG) gerecht werden können.

10. Weil Du die akademische Zukunft bist – Forschung für Studierende öffnen.

Wir als LHG fordern, die Möglichkeiten für Studierende, bereits während ihres Studiums wissenschaftlich tätig zu werden – in Form von Co-Autorenschaften oder verstärkter Praktika –, zu bewerben und somit den Studierenden bereits frühzeitig Wege in die Wissenschaft aufzuzeigen.

Als LHG schließen wir auch die Möglichkeit nicht aus, dass Studierende bei außeruniversitären Unternehmen mitforschen dürfen, um bereits während des Studiums Praxiserfahrung zu sammeln und etwaige Berufsmöglichkeiten auszuloten. Als Vorbild dient hierfür das Massachusetts Institute of Technology, USA, das Studierenden die Möglichkeit bietet, ihr Praktikum mit Geld oder ECTS vergüten zu lassen.

10. Studium generale.

Beinahe ein Drittel der Studierenden bricht irgendwann sein Studium ab. Häufig liegt das auch daran, dass sich viele nicht sicher sind, was genau sie studieren wollen. Ein Weg, dieser hohen Zahl an Abbrechern entgegenzuwirken, ist zum einen die bessere Vernetzung der Beratungsangebote von Schulen, Universität, Bezirk und Kommunen sowie die Schaffung eines sogenannten Studium generale, das es Studienanfängern ermöglicht, während der ersten beiden Semestern unterschiedliche Veranstaltungen verschiedener Fakultäten und Studiengängen zu besuchen, um zum einen ihren Horizont zu erweitern und zum anderen herauszufinden, welcher Studiengang ihnen am besten zusagt. Gleichzeitig trägt das Studium generale positiv zur persönlichen Reifung und Entwicklung des Studenten bei.Sollten bereits Leistungen in den Veranstaltungen erbracht worden sein, sollen diese in dem Studiengang, für den sich ein Student generalis letztendlich entscheidet, angerechnet werden. Als Vorbild und Blaupause kann das Modulstudium an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der FAU oder das vergleichbare Angebot der Technischen Universität München dienen.

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