Wahlprogramm zur Hochschulwahl 2018

Unser Wahlprogramm zur Hochschulwahl 2018 an der FAU Erlangen-Nürnberg

Unser Wahlprogramm: Kurze Version

Unser Wahlprogramm: Ausführliche Version

Präambel​

Wilhelm von Humboldt entwickelte sein Bildungsideal um zwei zentrale Begriffe der Aufklärung: das aufgeklärte Individuum und das Weltbürgertum. Gleichzeitig forderte von Humboldt die Freiheit von Forschung und Lehre. Denn sowohl das Forschen als auch das Lehren bedingen sich gegenseitig und profitieren voneinander. Deshalb muss die Universität ein unabhängiger Ort des Austauschs sein. An diesem sollen alle teilnehmen, die am wissenschaftlichen Prozess beteiligt sind. Doch sind diese Ideale heute noch verwirklicht? Werden die Studierenden zu Selbstständigkeit und Vernunftgebrauch gebildet, wenn sie sich in einem stark reglementierten Studienaufbau bewegen und zurechtfinden müssen? Wie ist es um die Freiheit von Forschung und Lehre bestellt? Dürfen Studierende selbst forschen und werden sie dabei unterstützt?

Die Liberale Hochschulgruppe (LHG) Erlangen-Nürnberg bekennt sich zum Humboldt’schen Bildungsideal und setzt sich für dessen Verwirklichung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein. Es ist die Basis für dieses Wahlprogramm.

1. Weil es Dein Studium ist – Für mehr Freiheit und Flexibilisierung.

Wir als LHG Erlangen-Nürnberg setzen uns dafür ein, dass die sogenannte Regelstudienzeit abgeschafft wird. Mit der Höchststudienzeit ist bereits ein brauchbarer Rahmen zur zeitlichen Orientierung für das Studium gegeben. So wird der Tatsache, dass die wenigsten Studierenden ihr Studium in der Regelzeit abschließen – sei es aufgrund von Auslandssemestern, ungeplanten Ereignissen (Krankheiten oder Unfällen) oder Schwangerschaften – Rechnung getragen und eine freiere Studiengestaltung ermöglicht. Positiver Nebeneffekt: An Regelstudienzeit gebundene Stipendien und BAföG können dadurch so lange bezogen werden, wie sie wirklich benötigt werden.

Darüber hinaus lehnen wir eine generelle Anwesenheitspflicht ab. Stattdessen sind die Lerninhalte (vor allem Aufzeichnungen von Vorlesungen) verstärkt zu digitalisieren. Studierende tragen die Verantwortung für ein gelingendes Studium mit. Genauso wie die die Persönlichkeiten der Studierenden vielfältig sind, sind auch die Wege für ein gelingendes Studium.

2. Weil es auch Deine Uni ist – Für mehr Freiraum für Studierende.

Wir als LHG Erlangen-Nürnberg fordern für die mittlerweile ca. 40.000 Studierenden der FAU mehr Rückzugsräume für verschiedene Bedürfnisse (z.B. Ruhe- und Computerräume sowie Einzel-, Gruppenlernräume) zu Verfügung zu stellen, damit die Studenten ihr Potential vollständig entfalten können. Ebenso sind marode Gebäude sofort zu sanieren bzw. mit zukunftsorientierten Neubauten zu ersetzen.

Geistesblitze kommen eben nicht immer um drei Uhr nachmittags, sondern auch mal mitternachts. Folglich setzen wir uns als LHG Erlangen-Nürnberg für die 24stündige Öffnung der Hauptbibliothek ein.

3. Weil Du schnell von A nach B kommen sollst – Für eine bessere verkehrstechnische Vernetzung der Standorte.

Die FAU hat als eine Hochschule mit verschiedenen Standorten (Erlangener Innenstadt, Südgelände, Nürnberg Innenstadt, Nürnberg Regensburger Straße, etc.) im Gegensatz zu einer Campus-Universität den Nachteil, dass die verschiedenen Gebäude und Komplexe weit auseinander liegen. Damit trotzdem die Möglichkeit gegeben ist, zwei Veranstaltungen an verschiedenen Orten hintereinander ohne größere Probleme besuchen zu können, setzen wir uns als LHG Erlangen-Nürnberg für eine bessere verkehrstechnische Vernetzung der Standorte ein. Wir als LHG Erlangen-Nürnberg fordern deswegen zu prüfen, ob je eine Ringbuslinie hier in Erlangen und Nürnberg Abhilfe schaffen könnte. Ein entsprechendes Konzept wurde bereits vorgelegt.

Außerdem sehen wir als LHG Erlangen-Nürnberg einen enormen Nachholbedarf bei dem Bau weiterer Parkmöglichkeiten für Studierende und MitarbeiterInnen der FAU. Vor allem zu Semesterbeginn ist die Parksituation so gravierend, dass zum Teil Feuerwehrzufahrten und Fluchtwege zugeparkt werden. Damit die Sicherheit in dieser Weise nicht unnötig gefährdet wird, fordern wir die Universität auf, zusammen mit den Kommunen sowie dem Freistaat eine repräsentative Hochrechnung zu erstellen, wie viele Parkplätze in Zukunft benötigt werden. Mit der Ringbuslinie ist es zudem möglich, auch Park-and-Ride-Parkplätze am Stadtrand schnell und unkompliziert mit den Standorten zu verbinden. Ebenfalls sind die Möglichkeiten eines universitätsinternen oder -nahen Bikesharing-Service zu prüfen, der die zum Teil chaotische Fahrradsituation in der Erlanger Innenstadt verbessert.

4. Weil Du das Geld wert bist – Gegen die „Söder-Uni“.

Wir als LHG Erlangen-Nürnberg setzen uns dafür ein, dass die geplante Milliarde Euro, 1 die für die neue Söder- Uni in Nürnberg geplant ist, auch an die FAU fließen. Während im Nürnberger Süden ein neuer Campus entsteht, sind ältere Gebäude der FAU asbestverseucht und marode. 2 Der Investitionsstau gefährdet die Zukunftsfähigkeit der FAU und damit auch die Konkurrenzfähigkeit mit der geplanten „Söder-Uni“, zumal das eigentliche Problem – die Erweiterung der TechFak – mit dem Bau der neuen Universität immer noch nicht gelöst ist.

Deshalb fordern wir als LHG Erlangen-Nürnberg, dass Investitionen im universitären Bereich, die für den Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen von staatlicher Seite geplant sind, stets zunächst am Bestand investiert werden, um die Chancen auf den Titel einer Exzellenz-Universität und damit die Bedeutung der bestehenden Hochschulen zu erhöhen, was sich ebenfalls positiv auf den Standort Mittelfranken auswirken kann. Dagegen hemmen mehrere unbekannte und wenig schlagkräftige Universitäten das Innovationspotential der Region. So hat die FAU den Rang einer Exzellenz-Universität nur knapp verpasst. 3 Sowohl die Studierenden als auch die beteiligten Kommunen und der Bezirk Mittelfranken haben mehr davon, wenn es eine Exzellenz-Universität in ihrem Einflussbereich gibt, als ein Sammelsurium Unbedeutender.

5. Weil Deine Ideen die Zukunft sind – Für ein Gründerfreisemester.

„Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, wusste bereits Victor Hugo. Gerade deswegen möchten wir als LHG Erlangen-Nürnberg jungen Gründern ermöglichen, sich mit einem eigenen Unternehmen bereits parallel zum Studium selbstständig machen zu können.

Dafür sollen die Gründe zur Beantragung eines Urlaubssemesters um den der Gründung erweitert werden. Die bestehenden Regelungen für ein Urlaubssemester werden hiervon nicht berührt.

6. Weil Du Dich wohlfühlen darfst – Für eine Universität, in der wir gut und gerne studieren.

Für eine freie Entfaltung der Persönlichkeit der Menschen bedarf es einer offenen und freien Umgebung. Auch heute erleben noch Menschen, insbesondere sexuelle und religiöse Minderheiten, Diskriminierung. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Studium wie allgemein von Familie und akademischer Karriere ist noch lange nicht gegeben. So ist zum Beispiel, um eine ausreichend gute Kinderbetreuung in Uninähe zu gewährleisten, eine Kooperation zwischen FAU und der Kommune unerlässlich. Die Beratungsangebote bezüglich Studieren mit Kind soll sich nicht nur auf Studentinnen beschränken, sondern alle Studierende ansprechen.

7. Weil Du die akademische Zukunft bist – Forschung für Studierende öffnen.

Wir als LHG fordern die Möglichkeit für Studierende, an universitärer Forschung mitzuwirken und Einblicke in wissenschaftliche Arbeitsweisen zu erhalten. Studierende sollen darüber hinaus die Gelegenheit haben, sich auf einer universitätsinternen Plattform in Form von Publikation, Diskussionsbeiträgen etc. sowohl mit Kommilitonen als auch Dozenten wissenschaftlich auszutauschen. Studierende sollen vor allem von ihren Dozenten ermutigt werden, für wissenschaftliche Fachzeitschriften Beiträge zu verfassen. Allgemein soll ein stärkeres Bewusstsein für die vielfältigen Forschungsmöglichkeiten und -methoden gefördert werden, vor allem in wissenschaftlichen Bereichen, in denen dies bis her nicht so sehr vermittelt wird wie zum Beispiel dem geisteswissenschaftlichen.

8. Weil Du gehört werden musst – Für die Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung der Studierenden.

Gerade bei der Debatte um die „Söder-Uni“ oder die Bewerbung um den Titel einer Exzellenz-Universität war deutlich zu sehen, dass die Interessen der Studierenden nicht ansatzweise berücksichtigt wurden. Wir als LHG halten dies für inakzeptabel. Deswegen ist es unbedingt nötig, dass die Studierendenvertretung mehr Zeit und Geld für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung gestellt bekommt. Außerdem ist es nötig, dass das Mitspracherecht der Studierenden innerhalb der Universität und im Rahmen des Hochschulgesetztes gestärkt wird, damit die Studierenden ihrem Auftrag der „Mitwirkung an der Verwaltung der Hochschule“ (Art. 18 (2), BayHSchG) gerecht werden können. Dadurch kann auch die Identifikation der Studierenden zur FAU gestärkt werden, die bisher nicht sehr hoch ist. Ebenfalls können Projekte wie „Eine Uni. Ein Buch“ positiv zu einer engeren Bindung beitragen.

9. Weil weniger manchmal mehr ist – Für Entbürokratisierung

Wir als LHG treten für eine Entbürokratisierung der universitären Verwaltungsstrukturen ein. Dazu gehört, dass die Vielzahl an Portalen (meinCampus, StudOn, UnivIS, oktis etc.) in eines überführt werden sollen, wo alle bisherig verstreuten Funktion ausgeführt werden können, um sich einfach und unkompliziert zu Veranstaltungen und Prüfungen an- und abzumelden, seinen Notenspiegel einzusehen etc.

Auch soll die zentrale Universitätsverwaltung auf ein Nötigstes an Personal reduziert werden und die dadurch freiwerdenden finanziellen Mittel für dringend notwendige Investitionen in anderen Bereichen verwendet werden.

10. Studium generale

Beinahe ein Drittel der Studierenden bricht irgendwann sein Studium ab. Häufig liegt das auch daran, dass sich viele nicht sicher sind, was genau sie studieren wollen. 4 Ein Weg, dieser hohen Zahl an Abbrechern entgegenzuwirken, ist zum einen die bessere Vernetzung der Beratungsangebote von Schulen, Universität, Bezirk und Kommunen sowie die Schaffung eines sogenannten Studium generale, das es Studienanfängern ermöglicht, während der ersten beiden Semestern unterschiedliche Veranstaltungen verschiedener Fakultäten und Studiengängen zu besuchen, um zum einen ihren Horizont zu erweitern und zum anderen herauszufinden, welcher Studiengang ihnen am besten zusagt. Gleichzeitig trägt das Studium generale positiv zur persönlichen Reifung und Entwicklung des Studenten bei. Sollten bereits Leistungen in den Veranstaltungen erbracht worden sein, sollen diese in dem Studiengang, für den sich ein Student generalis letztendlich entscheidet, angerechnet werden. Als Vorbild und Blaupause kann das Modulstudium an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der FAU dienen.

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