Taugt unsere Bildung für die Arbeit der Zukunft? Darüber hat die Liberale Hochschulgruppe Erlangen-Nürnberg am Freitag, den 13.04.2018, mit Dr. h.c. Thomas Sattelberger, Prof. Dr. Karl Wilbers und dem Publikum diskutiert.

Zu Beginn der Veranstaltung referierte Dr. Sattelberger kurz aus seiner Erfahrung aus der Zeit als Personalvorstand bei der Deutschen Telekom. Er konstatierte, dass im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA aus der deutschen Wirtschaft zu wenige Produktinnovationen kommen. Sowohl das Management als auch die Entwickler in deutschen Unternehmen blieben beim sog. ‚Smart Product‘ stehen, meint Herr Sattelberger. ‚Smart Services‘, wie sie aus den großen IT-Konzernen im Sillicon Valley sprudenl, fehlten bei uns.

Der Vorsitzende der Liberalen Hochschulgruppe Erlangen-Nürnberg, Daniel Bayer, resümiert im Nachgang: „Wir leben als Gesellschaft auf Kredit. Wenn wir unseren aktuellen Lebens- und Sozialstandard erhalten möchten, müssen wir unbedingt bei dem Thema Produktinnovationen umsteuern. Als Gesellschaft müssen wir im Bildungssystem junge Menschen dazu anleiten, auch im Dienstleistungsbereich neu zu denken. An den Universitäten trifft dies alle Studiengänge – sowohl Technische als auch Wirtschaftswissenschaftliche.“

Dass man in jedem Studiengang MINT-Module einbaut, hält Daniel Bayer für eine gute Idee. „Denn nur wer die Natur und die Technik in Grundzügen kennt, kann diese später kreativ einsetzen.“

Die Angst, dass eines Tages Roboter den Menschen die gesamte Arbeit wegnehmen, konnte Herr Sattelberger dem Zuhörer nehmen. Er erläuterte, dass die Arbeit der Zukunft eine klare Tendenz habe: Menschen arbeiten weniger in einem System, sondern viel mehr an dem System. Die Erstellung, Überwachung und Weiterentwicklung von Prozessabläufen werde die Arbeit der Zukunft sein.

Prof. Dr. Wilbers, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung an der FAU, merkte an, dass sich die Aufgabenbereiche von Arbeit mit unter Stark ändern werden. Die Studenten müssen darauf vorbereitet werden, die nötige Flexibilität und Kompetenzen für diese Entwicklung zu besitzen. Zudem komme hinzu, dass Hierarchien in Unternehmen zunehmend flacher werden. Für das Bildungssystem ist dies ein Spagat: Zum Einen müsse es die Menschen gut für die aktuelle Arbeitswelt ausbilden, zum Anderen müsse es ebenso auf eine sich stark verändernde Arbeitswelt in der Zukunft vorbereiten.

Professor Wilbers erklärte weiter, dass all diese Änderungen in der Arbeitswelt auch eine neue Personalführung benötigen würden. Diese müssen mehr auf einer Zusammenarbeit beruhen und die eigenen Ideen der Mitarbeiter fördern, als stur auf eine reine Einhaltung der Ziele zu achten, so Thomas Sattelberger. Daniel Bayer meint im Nachgang hierzu: „Gute Personalführung, also gutes ‚Chef-Sein‘ muss gelernt werden. Dieses Wissen lässt sich kaum in Form von Lehrveranstaltungen vermitteln. Daher ist es dringend nötig, dass die Studenten genügend Freiraum haben, sich in Hochschulinitiativen oder dem Ehrenamt einzubringen und dort Verantwortung zu übernehmen.“

Daniel Bayer stellt resümierend fest: „Die Kreativität der Schüler und Studenten ist essenziell für den Transformationsprozess, dem die Arbeitswelt unterworfen ist. Zur Zeit wird die Kreativität jedoch zu wenig gefördert. Als Vorsitzender und Spitzenkandidat der Liberalen Hochschulgruppe werde ich mich auch bei der Hochschulwahl besonders für dieses Thema einsetzen. Nur so können wir nachhaltig unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit – und damit unseren Rechts- und Sozialstaat – erhalten.“